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Die Berghausener Geschichte in den zwanziger und dreißiger Jahren
Erzählt von unseren Gründungsmitgliedern Fritz Decker, Willi May und Peter Schauf

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gab es die Kirchspiele Richrath und Reusrath. Im Jahr 1910 wurde daraus die Gemeinde Richrath-Reusrath.

Berghausen war mit Wolfhagen und Stefenshofen ein Dorf für sich. Es gab einen Bäcker, einen Metzger, mehrere Lebensmittelgeschäfte und ein paar Gaststätten. Obst und Gemüse, Hühner, Enten,Gänse und Kaninchen hatte man im Garten. Viele im Dorf hatten ein Schwein oder eine Ziege im Stall. Alles was man so täglich brauchte, bekam man im Dorf. Oft brauchte man nicht raus aus Berghausen.

Auch die Geselligkeit kam nicht zu kurz. So gab es einen seit 1880 einen Männergesangverein, einen Kriegerverein und den Turnverein 1895, der in den zwanziger Jahren eine Fußballabteilung gründete. Alle diese Vereine feierten auch ihre Feste: Der Gesangverein sein Sängerfest, der Kriegerverein ein Fest mit großem Umzug und der Kranzniederlegung am Ehrenmahl für die Gefallenen und auch die Sportler verstanden zünfig zu feiern.

Das alles stärkte das Zusammengehöhrigkeitsgefühl. Das Dorf war eine richtige Gemeinschaft. Man lebte, arbeitete und feierte zusammen. Eine Hochzeit oder eine Kindtaufe, aber auch eine Beerdigung eines Nachbarn gig alle an, und alle nahmen Anteil.

Die Kirmes in Berghausen wurde immer schon gefeiert, allerdings als Familienfest, so wie Ostern oder Weihnachten. Traditionell war die Prummekirmes am 2. Wochenende im September.

In den Wochen vorher wurden im ganzen Dorf die Häuser frisch gestrichen und alle hielten Hausputz. Am Kirmessonntag stand dann der frisch gebackene Pflaumenkuchen bereit und die Verwandtschaft kam zu Besuch. Montags ging man gemeinsam zum großen Kriegerball. Erst wurden Kränze für die Gefallenen aus dem Dorf niedergelegt und dann ging es zum Tanz.

Mit der eigenen Kirche, die ab 1926 im Dorf war, begann auch ein reges kirchliches Leben. Vorher ging man Sonntags zu Fuß (meistens auf Blotschen um die Lederschuhe zu schonen) nach Richrath zur Messe. 1927 wurde dann ein Kirchenchor gegründet. Für die Jugendbetreuung gab es bald einen Jünglings- und einen Jungfrauenverein. Schön getrennt, schließlich hielt man auf Sitte und Ordnung.

Es formierte sich auch eine Blaskapelle, die regelmäßig probte und auf allen möglichen Feiern und Festen im Dorf spielte. Peter Schauf z.B. machte sich als Musiker auf der "dicken Trumm" einen Namen. Die anderen beiden Grünungsmitglieder spielten lieber Fußball.

Der Fußballklub der DJK, seine Spieler und Fans, trafen sich nach den Spielen immer in der Gasstätte "Fuhrkamp". Dort erzählte dann Josef Königshofen einmal von einem Verwandtenbesuch in Bürrig. Er hatte dort ein Schürreskarrenrennen miterlebt und das Begraben eines Kirmespatrons und schilderte das Geschehene begeistert.

Diese Idee für ein Ähnliches Fest zu Kirmes wurde sofort aufgegriffen. Man könnte eine richtige Dorffeier, an der alle beteiligt wären, gestalten. Eine Schürreskarre gab es schließlich in jedem Haus.

Blotschen und weiße Hosen hatte auch jeder. Eine Holzpuppe als Kirmespatron, genannt Zachäus, wurde besorgt, eine Fahne gemalt und die dorfeigene Musikkapelle aktiviert. So startete dann 1929 die erste offizielle Berghausener Kirmes mit einer Messe, der Kranzniederlegung an den Ehrenmalen, einem Schürreskarrenrennen und einem Köbesball am Montagabend.

Der Start des Rennens war an der Gaststätte "Am Weißenstein". Dort mußte erst einmal ein Bier getrunken werden. Dann ging es über die Treibstraße an die Gaststätte "Zur Linde". Dort mußte ein Bier getrunken werden. Weiter ging es zur Gaststätte "Zur Krone", wieder ein Bier. Von da ging es über die Baumberger Straße rechts in die Höfe zum Kruzifix. Hier wurde gewendet und die ganze Strecke wieder zurück -inklusive zweier Bier. Diese Riesenleistung schaffte zur Freude der Zuschauer zum ersten Mal Fritz Decker!

Der Verein "Kirmesjonge 1929" war geboren. Es wurde auch festgelegt, dass nur Männer Mitglieder werden können. Nicht, dass die Kirmesjonge etwas gegen die Frauen hatten, ganz im Gegenteil, sie wurden gebraucht um die weißen Hosen und Hemden zu waschen und ihre Männer nach Hause zu bringen. Das mußte genügen.

Bereits im ersten Jahr hatte man zahlreiche zuschauer, und es wurden in den Folgejahren immer mehr. Die verwandten, die in jedem Haus zu Besuch waren, kamen mit zum Rennen und zum Anfeuern. Jeder, der nur irgendwie konnte, sparte sich für Kirmes einen Tag Urlaub auf. Bei 6 Tagen Jahresurlaub, wie es damals üblich war, kann man sehen, welchen Stellenwert dieses Fest hatte.

Der Kriegerball am Montagabend wurde zum Köbesball umfunktioniert. Zur damaligen Zeit war der Eintritt in den Saal zwar frei, es mußte aber der sogenannte "Tanzgroschen" gezahlt werden. Diese Sitte ist heutevöllig aus der Mode und vielleicht Schuld daran, dass die Herren in Berghausen so tanzfaul sind. Also es ging so: Die Kapelle spielte auf, stockte mitten im Lied und einer der Musiker ging mit einem Teller herum und kassierte von jedem Herrn einen Groschen. Damit keiner mogeln konnte, wurde der Teller nach jedem Kassieren abgedeckt und man mußte den Groschen oben drauf legen. Wenn alle Tänzer abkassiert waren, spielte die Kapelle den Tanz zu Ende.
Wer also die Dame seines Herzens gewinnen wollte, muß bei jedem Tanz einen Groschen zahlen. Das konnte teuer werden.

Diese Dorfkirmes mit ihren lustigen Rennen und dem fröhlichen Treiben fand Zuspruch und hatte von Jahr zu Jahr mehr Zuschauer.

1933 veränderte sich das Dorfleben unter den politischen Einflüssen total. In diesem Jahr wurden die Veranstaltungen der katholischen Jugend verboten. Die Fußballmannschaft und die Blaskapelle durften nicht mehr spielen. Sogar die Musikinstrumente wurden beschlagnahmt.

Das Schürreskarrenrennen und die Kirmes wurden trotzdem bis 1938 gefeiert. Aber 1939 am 1. September wurde diesem Fest ein jähes Ende gesetzt. "Da fängt dieser Kerl einen Krieg an und versaut uns die ganze Kirmes." An diesen Satz seiner Mutter erinnert sich einer der drei Vereinsgründer noch genau.





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